Jojo, der heimliche Mitbewohner: So brichst du den Kreislauf
Jojo-Effekt ade! Mara Kane zeigt, wie du den Teufelskreis aus Verzicht und Zunahme durchbrichst und warum dein Körper ein Gedächtnis für Diäten hat.
Nach all den kulinarischen Höhenflügen und den harten Phasen des Verzichts gibt es oft einen Gast, der sich ungefragt immer wieder einnistet: Jojo. Der berühmt-berüchtigte Jojo-Effekt ist wie ein ungeliebter Verwandter, der zu jeder Familienfeier auftaucht und sich ungefragt am Buffet bedient. Er ist ein Meister der Tarnung und schleicht sich genau dann an, wenn man sich nach den ersten verlorenen Pfunden sicher fühlt.
Die Falle der Radikalität
Thomas und ich mussten schmerzhaft lernen, dass Jojo ein treuer Begleiter unserer größten Diät-Erfolge war. Je radikaler die vorangegangene Entbehrung war – sei es durch die Kohlsuppendiät oder die Paleo-Phase –, desto triumphaler kehrte er zurück.
- Gedächtnis für Entbehrungen: Unser Körper scheint sich jede Hungerkur zu merken. Bei der ersten Gelegenheit bunkert er jede einzelne Kalorie als Notreserve für die nächste vermeintliche Notzeit.
- Das „Wasser-Gewicht“-Mantra: Zuerst bemerkt man die Zunahme kaum und redet sich ein, es seien nur harmlose Wassereinlagerungen, doch Jojo ist hartnäckig.
- Psychologischer Druck: Er nährt Selbstzweifel und flüstert einem ein, man sei ein Versager, was den Teufelskreis aus Frust und Essen weiter befeuert. Die soziale Scham, wenn Bekannte die Rückkehr zum alten Gewicht kommentieren, macht die Situation oft noch schwerer.
Vom Feind zum Warnsignal
Irgendwann begriffen wir, dass Jojo eigentlich kein bösartiger Feind ist, sondern ein wichtiges biologisches Warnsignal. Er zeigt uns deutlich, dass wir etwas falsch machen und unseren Stoffwechsel durch radikale Maßnahmen, die auf Dauer nicht durchhaltbar sind, überfordern.
Um den Kreislauf nachhaltig zu durchbrechen, halfen uns folgende Erkenntnisse:
- Langfristigkeit vor Schnelligkeit: Es geht nicht darum, in Rekordzeit abzunehmen, sondern eine langfristige, gesunde Lebensweise zu finden, die man ohne ständigen Verzicht durchhalten kann.
- Akzeptanz statt Perfektionismus: Wahres Wohlbefinden entsteht nicht durch ständige Selbstoptimierung, sondern durch die Akzeptanz, dass wir nicht perfekt sein müssen.
- Genuss ohne Reue: Ein bisschen „Jojo“ nach einem genussvollen Urlaub ist oft einfach ein Zeichen dafür, dass man das Leben in vollen Zügen genossen hat.
Jojo hat seine Macht über uns verloren, seit wir aufgehört haben, unseren Körper zu quälen. Er schaut zwar gelegentlich nach den Feiertagen noch kurz vorbei, aber er bleibt nicht mehr lange, weil wir gelernt haben, auf unseren Körper zu hören. Wer lernt, sich selbst mit Mitgefühl statt mit Diät-Härte zu begegnen, entzieht dem heimlichen Mitbewohner endgültig die Existenzgrundlage.
